Lot 3006* - A194 Gemälde Alter Meister & des 19. Jhs. - Freitag, 25. September 2020, 14.00 Uhr

SIENESISCHER MEISTER, UM 1440

Madonna mit Kind.
Tempera und Goldgrund auf Holz.
48 × 33 cm.

Gutachten:
Dr. Federico Giannini, als Benedetto di Bindo (Siena 1370–1417 Perugia) (Gutachten in Kopie vorhanden).

Provenienz:
Europäischer Privatbesitz.

Die bislang unveröffentlichte Tafel mit der Madonna mit Kind in Halbfigur entstammt der Hand eines Sienesischen Meisters und entstand um 1440. Ein Gutachten von Dr. Federico Giannini verwendet sich für eine Autorschaft Benedetto di Bindos (gest. 1419), der zu Beginn des 15. Jahrhunderts in Siena und in Umbrien wirkte. Ganz im Zeichen der Zeit wandte sich Bindo, wie viele andere sienesische Künstler, der Wiederbelebung Simone Martinis (1284–1344) Kunst zu. Dieser Ansicht folgt auch Carl Brandon Strehlke, der darüber hinaus Bezüge zu Andrea di Bartolo (1360–1428) sieht. Eine früher geäusserte mündliche Meinung vertrat eine Zugehörigkeit in den Umkreis des höchst produktiven sienesischen Malers Sano di Pietro (1406–1481), namentlich zu dessen Frühwerk (um 1430–40), der von der Kunstgeschichte lange unter dem Notnamen "Maestro dell’ Osservanza" geführt wurde.

Der lineare Zuschnitt des Madonnengesichts ist zweifelsfrei eine Fortführung der mechanisch von Simone Martini abgeleiteten linearen Formeln, wie sie im Werk des Andrea di Bartolo gleich wie in Benedetto di Bindos zu greifen sind und auch Ausgangspunkt für die Madonnen der späteren Malergeneration Sienas, eines Sano di Pietro oder des frühen Giovanni di Paolo (1403–1482), waren. Eine Zugehörigkeit zur frühen im späten 14. Jahrhundert formierten Generation um Andrea di Bartolo und Benedetto di Bindo erweist sich als unzutreffend für den hier beobachtbaren Versuch der naturalistischen Wiedergabe der Stoffe. Dieser Aspekt fällt besonders deutlich in der sorgfältigen Wiedergabe der Knitterfalten des Hemdchens des Jesusknaben ins Auge.

Generell ist die Erscheinung des Jesusknaben von beachtlicher Anmut und Eleganz. Solche Tendenzen der stofflichen Wiedergabe sind in Sano di Pietros Frühwerk zu beobachten und verbreiten sich in der sienesischen Kunst erst später (ab 1435–40) über Vecchiettas (1410–1480) Erfahrungen mit florentinischen Renaissance Malern. Wir neigen zur Vermutung, dass dieses Bild von einem Sano di Pietro nahestehenden sienesischen Zeitgenossen um ca. 1440 gemalt wurde. Die künstlerische Nähe zu Sano di Pietros Werkstatt ist auch in der Nimben Punzierung (eine Ellipse in Kreis) zu ermitteln. Wir vermuten, dass es sich hier um einen zuweilen etwas retrospektiven sienesischen Maler der Künstlergeneration Sano di Pietros handelt, der Vecchiettas künstlerischen Neuerungen zwischen 1435 und 45 punktuell umzusetzen vermochte. Deshalb scheint für unsere Madonna eine Entstehungszeit gegen 1440 wahrscheinlich.

CHF 35 000 / 45 000

€ 30 700 / 39 470