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Lot 3622* - A181 Grafik & Multiples - Samstag, 01. Juli 2017, 16.00 Uhr

EMIL NOLDE

(Nolde/Nordschleswig 1867–1956 Seebüll/Holstein)
Familie. 1917.
Holzschnitt, handaquarelliert. Unten rechts mit Bleistift signiert: Emil Nolde. Darstellung 24,5 x 30,8 cm auf Büttenkarton 29 x 32 cm.

Mit der Bestätigung der Authentizität ebenso wie der Bestätigung der Aquarellierung durch Emil Nolde selbst von Dr. Manfred Reuther, Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, August 2006.

Provenienz:
- K. Sächsisches Kupferstichkabinett, Dresden (verso mit dem Stempel und der Inventarnummer).
- Sammlung Professor Dr. Dr. Wilhelm Hallermann.
- Ketterer Auktion, München, 02. Juni 2006, Los 342.
- Bei obiger Auktion vom heutigen Besitzer erworben, seitdem Privatsammlung Europa.

Werkverzeichnis: Schiefler/Urban, Nr. 128II.

„Ich will so gern, dass mein Werk aus dem Material hervorwachse.“ Emil Nolde

Der vorliegende Holzschnitt „Familie“ von Emil Nolde aus dem Jahr 1917 ist eine Rarität in seinem druckgrafischen Werk, da er zu den wenigen Drucken gehört, die Nolde selbst von Hand aquarelliert hat und ihm somit den Status eines Unikats zukommt. In seiner Bestätigung weist Dr. Reuther explizit darauf hin, dass die Aquarellierung von der Hand Emil Noldes stamtt.

Mit gewohnt meisterlicher Hand setzt Nolde gekonnt leuchtende Farben ein, die gerade in der Gegenüberstellung zu dem dunklen Holzschnitt eine besondere Wirkung entfalten. Sie schaffen eine intimere Stimmung, da durch sie die Einheit der Familie hervorgehoben wird, und gleichzeitig sind natürlich die Kontraste zum konturgebenden Holzschnitt viel weicher. Auch die Tiefenwirkung nimmt durch den Einsatz der Farbe zu.

Der Holzschnitt spielt in Noldes Werk eine bedeutende Rolle, und das vorliegende Blatt ist ein herausragendes Beispiel für seine expressionistische Grafik. Anders als bei Gemälden und Aquarellen beschäftigt er sich nicht durchgehend mit der Druckgrafik, sondern nur etwa zwei Jahrzehnte lang, wobei die Schwerpunkte auf den Jahren 1906, 1912 und 1917/18 liegen. Die „Familie“ stammt eben aus dieser Zeit, dem Jahr 1917. Typisch für diese Werkphase, greift der Künstler auf Erfahrungen von seiner Südseereise zurück und stellt erfundene Szenen der Naturvölker nach. Von Bäumen umgeben sitzt eine Familie im Mittelpunkt des Werkes – die Frau im Profil, der Mann frontal zum Betrachter und das Kind schaut über das angewinkelte Bein des Vaters. Die kantigen Gesichter, dürren Körper, die Darstellung als Akte in der Natur, die exzentrische Frisur der Mutter und die wirren Haare von Vater und Sohn erinnern an Noldes 1914 entstandenes Ölgemälde „Papuajünglinge“, das heute im Besitz der Stiftung Preussischen Kulturbesitz Berlin ist.

Der Holzschnitt fordert vom Künstler viel handwerkliches Geschick und Kraft, weshalb die Expressionisten ihn gerne genutzt haben, um das Ursprüngliche in ihrer Kunst zu unterstreichen. „Mit dem Material in der Hand, zwischen den Fingern, entstehen die Werke der Naturvölker. Die absolute Ursprünglickeit, der intensive, oft groteske Ausdruck von Kraft und Leben in allereinfachster Form – das möge es sein, was uns die Freude an diesen eingeborenen Arbeiten gibt.“ (zit. Emil Nolde, in: Schiefler, Gustav: Emil Nolde. Das graphische Werk. Bd. II Holzschnitte, Lithografien, Hektographien, Köln 1996, S. 11).

CHF 30 000 / 40 000 | (€ 30 930 / 41 240)

Verkauft für CHF 34 100 (inkl. Aufgeld)
Angaben ohne Gewähr