Ich bin bereits registriert - Login:


Sie haben noch kein Login?

Klicken Sie hier um sich zu registrieren



Lot 3022* - A158 Gemälde Alter Meister - Freitag, 23. September 2011, 15.00 Uhr

JAN WOUTERSZ. STAP

(1599 Amsterdam c. 1663)
Allegorie des Winters.
Öl auf Holz.
Auf dem Zettel unten links signiert: J.W. STAP
84,5 x 59,5 cm.

Provenienz: - William Cavendish, 7. Herzog von Devonshire (1808-1891). - Durch Erbfolge an seinen Enkel Lord Richard Cavendish (1871-1946), Hoker Hall, Lancashire, wo das Gemälde im Schulraum hing. - Auktion Christie's, London, 12.12.1930, Los 43. - Sammlung Horsley. Literatur: - Waagen, G. F.: Galleries and Cabinets of Art, London 1857, Bd. IV., S. 426, erwähnt als entstanden zwischen 1530-40. - The Connoisseur, 1931, Bd. 87., S. 129. - Panthéon 1931, S. 397, Abb. 13. - Schendel, A. van: Johannes Woutersz. Stap in: Oud Holland, LIV, 1937, S. 270, S. 274, Nr. 12, Abb. Nr. 13. Ein Mann in einem pelzumrahmten Mantel und Hut sitzt an einem Tisch und liest ein Buch. Sein Blick ist nach unten gerichtet und auf seiner Nasenspitze trägt er einen Kneifer. Ein kleiner Junge mit einer Samtkappe hat neben ihm Platz genommen und blickt den Betrachter direkt an, während er seine Hände über einem Kohlenbecken wärmt. Auf dem Tisch befindet sich ein Stück Papier und ein grosses ledergebundenes Buch. Ein kleines Fenster und einige Regale mit weiteren Büchern erscheinen hinter den Figuren, zur Linken steht eine Kerze auf dem Regal. Jan Woutersz. Stap widmet sich seinen Motiven mit grösster Detailvielfalt wie beispielsweise bei den Händen des Mannes, seinem gräulichen Bart und seiner gerunzelten Stirn zu vermerken ist. Die reduzierte Palette aus warmen braunen und grauen Tönen, die mit weichen Hauttönen und wenigen roten Punkten in der glühenden Asche gehöht werden, ist charakteristisch für den Künstler. Bis ins frühe 20. Jahrhundert wurde angenommen, dass Jan Woutersz. Stap ein Maler des 16. Jahrhunderts war, der im Umkreis Quentin Massys (1466-1530) tätig war. Die Entdeckung des Datums 1636 auf dem Gemälde "Der Verwalter des Hausherrn" im Rijksmuseum Amsterdam führte jedoch zur Erkenntnis, dass er in Wirklichkeit ein Maler des 17. Jahrhunderts war, der bewusst im Stile der vergangen Epoche malte. 1937 verlieh ihm A. Van Schedel in einem Artikel in Oud Holland Aufmerksamkeit, indem er die wenigen bekannten Tatsachen seines Lebens zusammenführte und eine Liste von 30 Werken, darunter das hier angebotene Gemälde, zusammen stellte. Einige weitere Werke sind seither zutage gekommen, jedoch bleibt das Oeuvre des Künstlers bemerkenswert klein. Es gibt keine Informationen über die künstlerische Ausbildung von Stap und sein eigenwilliger und der Vergangenheit zugewandter Stil macht es schwierig, ihn einer Schule des 17. Jahrhunderts zu zuordnen. Blankert brachte sein Archaismus mit den altertümlichen Elementen in einigen der Gemälde Hendrick ter Brugghens (1588-1629) in Verbindung. Daher ist es möglicherweise von Bedeutung, dass Staps "Pilatus seine Hände in Unschuld waschend" nach einem Gemälde Brugghens mit dem selben Thema gemalt ist (Brugghens Gemälde ist nur in Form einer Kopie in der Gemäldegalerie in Kassel bekannt; siehe Schnackenburg, B: Gesamtkatalog Gemäldegalerie Alte Meister, Kassel 1996, Band 2, Abb. 98, Inv. Nr. GK 589). Zusätzlich zu religiösen Themen malte Stap Genreszenen. Diese weisen den Einfluss Quentin Massys und dessen Umkreis wie Jan Sanders von Hemessen (1519-1556) und Marinus van Reymerswaele (1490-1567) auf. Die Notare, Geldwechsler und Hausherren, die oft in Staps Genreszenen auftauchen, leiten sich aus dem Repertoire dieser frühen flämischen Meistern ab, genauso wie ihre altertümliche Kleidung und das Stillebenzubehör. Ebenfalls vergleichbar mit seinen Modellen aus dem 16. Jahrhundert sind die beinahe lebensgrossen Halbfiguren in vollen und eng beschnittenen Kompositionen des Künstlers. Trotz seiner Anlehnung an frühere Prototypen, entwickelte Stap einen ausgeprägten persönlichen Stil. Anders als Massys und sein Umkreis ist seine Annäherung an das Subjekt mitfühlend. Er verspottet oder karikiert seine Figuren nicht, sondern nähert sich ihrer markanten Gesichtszüge auf naturalistische Weise. Seine strengen und eher naiven Figuren sind durch ihren ernsten Ausdruck und ihre deutliche Gestik gekennzeichnet. Das hier angebotene Gemälde greift jedoch weniger auf das Oeuvre von Quentin Massys und seinen Umkreis zurück, als vielmehr auf die lange allegorische Tradition der Verkörperung von Jahreszeiten. Im 17. Jahrhundert wurde die Darstellung einer Figur, die ihre Hände über einem Feuer wärmt, üblicherweise als Personifikation des Winters verstanden. Oft war die Figur des Winters von einem älteren bärtigen Mann verkörpert. Allerdings existieren auch Beispiele, insbesondere in Darstellungen der vier Jahreszeiten, in denen ein kleiner Junge, der seine Hände über einem Kohlebecken wärmt, den Winter personifiziert; so beispielsweise in dem Gemälde von Caesar van Everdingen (Öl auf Leinwand, 69 x 132,5 cm, monogrammiert, Standort unbekannt, Abbildung im Niederländischen Institut für Kunstgeschichte). Bemerkenswert bei unserem Gemälde ist die Tatsache, dass der Künstler hier beide Figuren, den alten Mann wie den Knaben, in seine Darstellung aufnimmt. Die Botschaft des Gemäldes bleibt jedoch eindeutig: die ausgezündete Kerze ist ein Vanitas-Motiv, das auf die Vergänglichkeit des Lebens hinweist. Diese Idee wiederholt sich im starken Kontrast zwischen dem Gesicht des Jungen und des alten Mannes mit Brille, der uns daran erinnert, dass das Leben ebenso wie die vier Jahreszeiten einem Zyklus vom Frühjahr bis zum Winter folgt.

CHF 25 000 / 35 000 | (€ 25 770 / 36 080)

Verkauft für CHF 28 800