Lot 3013* - A172 Gemälde Alter Meister - Freitag, 27. März 2015, 15.00 Uhr

CALDENBACH, MARTIN

(um 1470 Frankfurt am Main 1518)
Jakobus d. Ä. und die Teufel des Hermogenes. Um 1510-15.
Öl auf Holz.
51 x 42 cm.

Provenienz: - Belgischer Privatbesitz. - Schweizer Privatbesitz. Literatur: Schedl, Michaela: Tafelmalerei der Spätgotik am südlichen Mittelrhein, 2015 zu erscheinende Dissertation, Teil III, Kapitel 5 Frankfurt am Main, Kat. Nr. 75 (als Werk von Martin Caldenbach). Die hier angebotene, bisher als Werk eines anonymen süddeutschen Meisters bekannte Tafel, konnte kürzlich dank einer ausführlichen Forschungsarbeit von Dr. Michaela Schedl dem Maler Martin Caldenbach zugeschrieben und ihr usprünglicher Kontext als Teil eines Altars teilweise rekonstruiert werden. Dargestellt ist eine Szene aus dem Leben des Heiligen Jakobus d. Ä., die in den bildenden Künsten höchst selten dargestellt wird. Das Ereignis ist in den apokryphen Apostellegenden überliefert. Der Magier Hermogenes hatte seinen Jünger Philetus zu Jakobus d. Ä. geschickt, um ihn vom christlichen Glauben abzubringen. Allerdings geschah das Gegenteil und Jakobus d. Ä. bekehrte Philetus zum Christentum. Daraufhin schickte Hermogenes seine Geister aus, Jakobus und Philetus zu fesseln und sie zu ihm zu bringen. Die Tafel zeigt, wie der barfüßige Jakobus zu den zwei teufelsähnlichen Geistern spricht. Segnend hat der bärtige Apostel seine rechte Hand erhoben. Jakobus erlöst die Dämonen des Magiers Hermogenes von ihren Qualen und befiehlt den Engeln, die Dämonen von den Ketten zu befreien. Sie sollten zu Hermogenes zurückkehren und ihn selbst gefesselt zu ihm bringen. So kehrten die Geister mit dem Zauberer zurück, der sich daraufhin ebenfalls bekehren liess. Hinter Jakobus steht Philetus im blauen Gewand und weißen Mantel. Die Szene ist in eine Landschaft mit sanften Hügeln eingebettet. Im Hintergrund nähert sich ein Pilger einer Stadt, wohl die Pilgerstadt des Jakobus, Santiago de Compostella. Die hier angebotene Tafel stammt sehr wahrscheinlich aus einem mehrteiligen Altar zur Jakobus-Legende. Für diese Vermutung spricht der Umstand, dass die Szene asymmetrisch am rechten Bildrand von einem gemalten Schnitzwerk eingerahmt wird. Der Goldgrund lässt darauf schließen, dass die Tafel Teil einer Flügelinnenseite, die Position der Ranke deutet darauf hin, dass die Tafel rechts oben angeordnet war, der Baumstamm am unteren Bildrand setzte wahrscheinlich die Szene von einer weiteren darunter ab. In ihrer in Kürze zu erscheinenden Dissertation (siehe Literatur) bringt Dr. Michaela Schedl unsere Darstellung mit einer weiteren Tafel mit dem Martyrium des Heiligen Jakobus in Zusammenhang, die sich im Mainfränkischen Museum in Würzburg befindet (Inv. Nr. Lg. 60598, als Dauerleihgabe des Bayerischen Nationalmuseums München, Inv. Nr. MA 3477), wobei die Würzburger Tafel den Mittelteil und unsere Tafel Teil der rechten Flügelinnenseite desselben Jakobusaltars bildeten. Der Altar findet erstmals im Münchner Katalog des Bayerischen Nationalmuseums von 1908 Erwähnung und wird dort einem "Frankfurter oder Mainzer Meister unter Dürers Einfluss" zugeschrieben (siehe Voll, Karl / Braune, Heinz / Buchheit, Hans: Katalog der Gemälde des Bayerischen Nationalmuseums, Kataloge des Bayerischen Nationalmuseums 8, München 1908, S. 118f., Nr. 383). Carl Gebhardt vermutet ebenfalls 1908, dass es sich hierbei um ein Werk des Ende des 15. / Anfang des 16. Jahrhunderts in Frankfurt am Main tätigen Martin Caldenbach handeln müsste (siehe Gebhardt, Carl: Martin Hess, in: Repertorium für Kunstwissenschaft 3, 1908, S. 444). Beide Tafeln weisen grosse stilistische Ähnlichkeiten auf, welche für eine Zuschreibung an Martin Caldenbach sprechen: Der Apostelheilige trägt auf beiden Tafeln fast dieselbe Kleidung, die Ränder der Kleidungsstücke sind jeweils mit einer weissen Linie versehen und auch die Ausführung des Nimbus gleicht sich. Im Goldgrund des Nimbus ist in kleinem Abstand zum Nimbenrand eine Linie gezogen, die mit einem Bogenfries versehen ist, vom Kopf des Heiligen gehen kurze Strahlen aus. Auch die Landschaft ist vergleichbar ausgeführt. Im Vordergrund dominieren helle Grün- und Brauntöne, im Hintergrund ein Blaugrün. In den Goldgrund sind mit feinen Strichen kleine Wolken geritzt oder aufgemalt. Sehr charakteristisch für Martin Caldenbach ist ebenfalls die Darstellung der kleinen kompakten Hände. Interessanterweise sind zudem zwei Zeichnungen überliefert, die weitere Szenen aus dem Leben des Heiligen Jakobus illustrieren und die Edmund Schilling 1933 ebenfalls Martin Caldenbach zuschrieb (siehe Schilling, Edmund: Zur Kunst des Frankfurter Malers Martin Kaldenbach, in: Jahrbuch der Preussischen Kunstdammlungen 54, 1933, S. 146f., Abb. 3, und 4, S. 142). Es sind sehr wahrscheinlich Entwürfe für die Flügelaußenseiten eines Retabels, möglicherweise sogar für das hier vorgestellte Jakobusretabel. Anhand kostümgeschichtlicher Vergleiche geht Dr. Schedl davon aus, dass die Tafeln und so auch die hier angebotene Arbeit in die Zeit um 1510 bis 1515 zu datieren ist. Wir danken zudem Dr. Bodo Vischer, der sich mit der ikonographischen Einordnung dieser Tafel befasst hat.

CHF 35 000 / 50 000

€ 32 710 / 46 730

Verkauft für CHF 45 000 (inkl. Aufgeld)
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