Lot 1050 - A196 Möbel, Porzellan & Silber - Donnerstag, 25. März 2021, 13.30 Uhr

SELTENES MODELL EINES STADTHAUSES

Meissen, Modell von J. J. Kändler und P. Reinicke um 1743, Ausformung um 1760.
Auf rechteckigem Grundriss ein dreistöckiges Gebäude mit umlaufenden Fensterreihen inklusive Dachgeschoss, mit bogenförmigem Eingang auf einer Langseite und rotem Ziegeldach mit je drei Gaubenfenstern und zwei Schornsteinen auf dem Dachfirst. Spuren einer blauen Schwertermarke mit Punkt.
17,8 x 12,5 x 8,5 cm.

Provenienz:
- Sammlung Dr. Siegfried Ducret, Zürich.
- durch Erbfolge an Rosmarie Schmidt-Ducret, Binningen, Nachlass.

Literatur:
Melitta Kunze-Köllensperger, Miniaturarchitekturen für die Brühlsche Desserttafel, in: Schwanenservice, 2000, S.120 Abb.84.

Das Stadthaus Modell gehört zu einem grossen, idyllischen Arrangement für eine festliche Desserttafel, bestehend aus Kirchen, Scheunen, Bauernhäusern, herrschaftlichen Palais und Stadthäusern. Im Inventar von 1753 der Konditorei von Schloss Pförten wurden insgesamt 51 Stadthäuser von insgesamt 93 Kleinarchitekturen aufgelistet. Die Modelle wurden seit 1743 von Kändler, Reinicke und Ehder entworfen und umgesetzt.
Der figürliche Tafelschmuck, der zunächst aus Teig, Zucker und Tragant geformt wurde, bevor das Porzellan Einzug hielt auf der Desserttafel, spielte bei der Demonstration des fürstlichen Reichtums eine grosse Rolle und der Premierminister unter dem sächsischen Kurfürsten, Heinrich Graf von Brühl, hat das Image des Porzellans mit seinen prominenten Manufakturaufträgen massgeblich mitgeprägt.
Noch im Nachlassinventar Brühls aus dem Jahr 1765 wurde unter Kapitel XII wie folgt vermerkt: „An Porcellain, so in der Conditorey und in täglichen Gebrauche sich befindet, von unterschiedener Gattung” lediglich noch „Zwey und sechzig (62) Stück Häuser von diversen Sorten”.

Vergleichstücke und weiterführende Literatur: Melitta Kunze-Köllensperger, Idylle in Porzellan. Kostbare Tischdekorationen aus Meissen, 1996, Nr. 14; M. Kunze-Köllensperger, Miniaturarchitekturen für die Brühl'sche Desserttafel, in: Schwanenservice, 2000, Kat. Nr. 165 (Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund); M. Kunze-Köllensperger, Sammlung Ritter von Kempski von Rakoszyn, 2008; Glanz des Barock, Sammlung Ludwig, 1993, S. 181; F. Kirsch, 100 Jahre Porzellane und Fayencen des 18. Jahrhunderts, 2019, S. 360-366.

CHF 6 000 / 8 000

€ 5 610 / 7 480

Verkauft für CHF 29 580 (inkl. Aufgeld)
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