Lot 531 - A180 Buchmalerei & Autographen - Samstag, 01. April 2017, 14.00 Uhr

Peutinger, Konrad.

Brief und Faszikel zum Kaiserbuch: 1. Brief an Kaiser Maximilian I. Reinschrift von Sekretärshand auf Papier. - 2. Heft mit Ausarbeitung zum Kaiserbuch. Reinschrift von Sekretärshand auf Papier.
[Augsburg, wohl November 1505]. Folio (31,7 x 22 cm.). 1 Doppelblatt und 1 lose eingelegtes Einzelblatt mit 5 beschriebenen Seiten sowie 8 lose ineinandergelegte Blatt mit 15 beschriebenen Seiten. Wasserzeichen Ochsenkopf.

1. Brief Peutingers an Maximilian I. über seine Erkenntnisse zur Herkunft der Habsburger und ein Herrscherlob Maximilians und Philipps. Peutinger verweist in diesem Schreiben auf eine Gesandtschaft, die er im Auftag Maximilians nach Burgund durchgeführt hatte, bei der er in Metz das Baptisterium besichtigt habe ("vidi ego Metis cum iussu tuo Caesar Maximiliane..."). Im Brief bezieht sich Peutinger auf eine Vorstufe seines berühmten Kaiserbuches, einen Katalog der Kaiser, Könige und Tyrannen, den er aber nicht ohne Maximilians Urteil und Zustimmung publizieren will: "ad quam accedit illa maxima foelicitas vestra, quod inter legendum adnotandumque imperatorum caesarum regnumque augustorum et tyrannorum catalogum (cuius elucubraciones prope diem absolvemus quae tamen vestro gravissimo iudicio purgati et comprobati in publicum non prodibunt), Illud compertum habui ...". Eine ähnliche Passage, allerdings bezogen auf die Zustimmung von Celtis und anderen Gelehrten findet sich 1505 im Brief an Celtis, der vor dem 17. September entstanden sein muss (König, Briefwechsel Nr. 35, S. 62). In dem hier vorliegenden und bei König nicht erfassten Brief führt Peutinger seine Erkenntnisse zur Herkunft der Habsburger aus, die von den Hohenstaufen abstammten, und geht in ein Herrscherlob Maximilians I. und Philipps über: Wie Maximilian im Osten gegen die Türken kämpfe, so Philipp im Westen gegen die Sarrazenen. Philipp I. der Schöne starb 1506, so dass der Brief vor diesem Datum geschrieben sein muss. Der Brief ist als Reinschrift auf einem Doppelblatt von einer unbekannten Hand des frühen 16. Jahrhunderts mundiert, in einem einliegenden Einzelblatt (f. 2) findet sich von gleicher Hand f. 2r nochmals der Text der dritten Seite des Doppelblattes, f. 3r, bricht aber ab. - Zu diesem Schreiben gehört ein Heft in Reinschrift: Konrad Peutinger, Imperatorum caesarum regnumque augusterum et tyrannorum catalogus: Bericht über den Weg der Habsburger zum Kaiser- und Königtum, datiert Augsburg, 27. November (5. kalendas decembris) 1505 (Titel nach dem beiligenden Schreiben), 8 Blatt, Reinschrift von Sekretärshand. Auch dieser Text ist ein an Kaiser Maximilian gerichteter Bericht (vgl. f. 8r: , ...et quando te Maximiliane pater tuus Divus Caesar Fridericus Tertius Augustus') und schildert diesem, wie dessen Vorfahren, die Erzherzöge von Österreich, an das Kaisertum gekommen sind, eingebettet in eine Darstellung der Kaiser- und Königsfolge, beginnend mit Julius Cäsar. Es handelt sich um eine frühe Fassung des Peutingerschen Hauptwerkes, des sogenannten Kaiserbuches, das im schon angegebenen Brief an Celtis aus dem Herbst desselben Jahres angesprochen wurde (König, Briefwechsel Nr. 35, S. 62). Der inhaltliche Bezug wie die Schreiberhand und gleiche Wasserzeichen machen wahrscheinlich, dass der obige Text dem Schreiben beigefügt werden sollte. Schreiben und Ausfertigung fehlen in der von König verantworteten Ausgabe der Briefe Konrad Peutingers. Das Konvolut der Schriften Peutingers für Maximilian aus der Zeit um 1505 (Datierung des Herrscherkataloges, Nennung von Maximilian und seinem früh verstobenen Sohn Philipp) ist der Forschung, die sich mehrfach und intensiv mit dem Verhältnis von Maximilian und Peutinger beschäftigt hat, bisher völlig entgangen, es stammt zudem aus der ersten Hochphase ihrer Beziehung, über die wenig bekannt ist. Dass Peutinger Berufsschreiber für seine Zwecke und seine Briefe nutzte, ist bekannt und spricht in keiner Weise gegen die Bedeutung der Schriftstücke. Wichtige Erkenntnisse dürften auch zu Peutingers historischem Hauptwerk, dem Kaiserbuch, und dessen Bezug zu Maximilian zu gewinnen sein. - Als frühes Zeugnis sowohl des historiographischen Hauptwerkes Peutingers wie als an Maximilian I. gerichtetes Dossier verdient diese bisher unbekannte Gruppe von Schriftstücken höchste Beachtung.

CHF 25 000 / 40 000

€ 23 360 / 37 380

Verkauft für CHF 30 000 (inkl. Aufgeld)
Angaben ohne Gewähr