Lot 3257 - A191 Impressionismus & Klassische Moderne - Freitag, 06. Dezember 2019, 16.30 Uhr

HENRI ROUSSEAU LE DOUANIER

(Laval 1844 - 1910 Paris)
La petite fille à la poupée et aux deux marguerites. Um 1890.
Öl auf Leinwand.
Unten links signiert: H. Rousseau.
20 x 15 cm.

Wir danken Yann le Pichon für die wissenschaftliche Unterstützung und die Bestätigung der Authentizität des Werkes, Sèvres, 3. April 2019.

Provenienz:
- Galerie Benador, Genf.
- Privatsammlung Schweiz, um 1955 in obiger Galerie erworben und durch Erbschaft an die heutigen Eigentümer.

Henri Rousseau schafft einige Porträts von Kindern, welche im Auftrag der Eltern entstehen. Ein in der Komposition sehr ähnliches Werk befindet sich heute im Musée de l’Orangerie in Paris (L’Enfant à la poupée, 1892). In beiden Werken wird ein Kind mit seiner Puppe in der einen Hand und in der anderen mit einer Margerite dargestellt. Typisch für die naive Malerei Rousseaus sind die Porträts nicht naturalistisch, sondern mit einer stark flächigen Malerei geschaffen. Den Werken fehlt bewusst eine räumliche Tiefe, was eine unmittelbare Nähe aller dargestellten Elemente erzeugt. Die Pflanzenwelt, welche im Hintergrund von unserem Porträt sichtbar ist, verweist ausserdem auf die zu dieser Zeit beginnenden fantastischen Urwaldgemälde, welche zu seinen besten Werken zählen.

Die Eltern, welche die Kinderporträts in Auftrag geben, schätzen die Art und Weise wie ihr Nachwuchs dargestellt wird nicht so sehr. Es ranken sich viele Mythen um den jeweiligen Verbleib der Werke. So sollen beispielsweise die Eltern des Werkes „Pour Fêter le Bébé“, welches sich heute im Kunstmuseum Winterthur befindet, dieses für die Begleichung einer Wäscherechnung weggegeben haben. Diese Anekdoten zeigen: Der vom Zöllner zum Maler gewandelte Künstler ist ein Autodidakt und Aussenseiter und ist seiner Zeit sehr voraus. Obwohl er die Akademischen Maler bewunderte, wurde er doch zum Helden der Avantgarde. Von Vallotton bis Picasso wird er zu Beginn des 20. Jahrhunderts als der entscheidende Neuerer gefeiert, und er soll gemäss der neueren Literatur der Maler sein, der nebst Paul Cézanne die entscheidendsten Impulse zum Kubismus gegeben hat.

CHF 40 000 / 60 000

€ 35 090 / 52 630

Verkauft für CHF 73 500 (inkl. Aufgeld)
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