Lot 3035 - A197 Schweizer Kunst - Freitag, 02. Juli 2021, 14.00 Uhr

FERDINAND HODLER

(Bern 1853–1918 Genf)
Genfersee von Chexbres aus. Um 1911.
Öl auf Leinwand.
Unten rechts signiert: F. Hodler.
68 × 90,5 cm.

Provenienz:
- Galerie Neupert, Zürich, 26.11.1926.
- Hermann Franck, Zürich, 2.12.1926.
- G. & L. Bollag, Zürich, 23.10.1931, Los 76.
- Arnold Mettler-Specker, St. Gallen, 1931.
- Kunst & Spiegel AG., Zürich, 27.10.1932, Abb. Taf. 19.
- Hans Leemann, Arlesheim, 1944.
- Sammlung Karl Steiner, seit 1972.
- Schweizer Privatsammlung.

Ausstellungen:
- Berlin 1928, Ferdinand Hodler, Galerie Alfred Flechtheim, 6.1928, Nr. 40, als "Der Genfersee, 1911", mit Abb. S. 5.
- Zürich 1928, Ausstellung Ferd. Hodler, Galerie Neupert 1928, Nr. 47, 10.1928, als "Genfersee, 1914".
- Basel 1943, Kunstwerke des 19. Jh. aus Basler Privatbesitz, Kunsthalle Basel, 1.5.–4.7.1943, Nr. 369, als "Genfersee von Chexbres aus gesehen, 1905".
- Lausanne 1944, Les peintres du Léman, Musée cantonal des beaux-arts, 17.6.–24.9.1944, Nr. 185, als "Paysage du lac Léman".

Literatur:
- Carl Albert Loosli: Generalkatalog in: Ferdinand Hodler. Leben, Werk und Nachlass, Suter 1921–24, (GK Nachtrag), 2.12.1926, Nr. 2374, als "Genfersee von Caux aus mit bewölktem Himmel, 1912".
- Werner Y. Müller: Die Kunst Ferdinand Hodlers. Gesamtdarstellung. Band 2. Reife und Spätwerke 1895–1918, Zürich 1941, Nr. 518, als "Der Genfersee (Bucht von Cully) von Chexbres aus, 1914 (Mühlesteinsche Fassung)".
- Jura Brüschweiler: Ferdinand Hodler, einige Werke aus der Sammlung Karl G. Steiner, Zürich, 1981, S. 76–96, Abb. 13, als "Genfersee von Chexbres aus mit bewölktem Himmel, 1911".
- Guido Magnaguagno: Landschaften. Ferdinand Hodlers Beitrag zur symbolistischen Landschaftsmalerei, in: Ausst.-Kat. Ferdinand Hodler, Berlin/Paris/Zürich 1983, S. 318, als "Genferseelandschaft von Chexbres aus, 1911".
- Jura Brüschweiler: Ferdinand Hodler als Schüler von Ferdinand Sommer in: Ausst.-Kat. Kunstsammlung Steffisburg; museo civico di belle arti, Lugano; Fondation Pierre Gianadda, Martigny, 1984, S. 132, als "Genfersee, von Chexbres aus, um 1911".
- Jura Brüschweiler: Ferdinand Hodler. Sammlung Steiner, Zürich, 1997, S. 211, 214, Abb. 71, als "Genfersee bei bewölktem Himmel von Chexbres aus, 1911".
- Oskar Bätschmann und Paul Müller: Ferdinand Hodler. Catalogue raisonné der Gemälde, Hrsg. Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft, Bd. II-2, Die Landschaften, Zürich 2012, S. 360, Nr. 430 (mit Abb.).

Hodler wählte den Blick von Chexbres über den Genfersee zum ersten Mal 1895 anlässlich seiner Teilnahme am Concours Calame, den die Société des Arts für den zehnten Landschaftswettbewerb ausgeschrieben hatte. Es folgten 11 weitere Fassungen dieses Motivs, die – bis auf diejenige von 1898 – jeweils in kurzen Zeitabständen in einer ersten Phase in den Jahren 1904/05 und in einer zweiten Phase um 1911 entstanden.

Das hier vorliegende Werk aus der bedeutenden Sammlung Karl Steiner ist "zunächst deshalb von besonderem Interesse, weil sie, als letzte Version, Hodlers Werkreihe zu diesem Motiv ganz eigentlich krönt" (Jura Brüschweiler 1981). Es ist das radikalste Werk aus der Reihe der Chexbres-Bilder und das einzige, in welchem Hodler auf sämtliche Staffagemomente fast vollständig verzichtet. Kein Baum und kein Gebäude stören den grossartigen Rhythmus der Küstenlinie, die das Grün des schmalen Landschaftsstreifen vom Blaugrau des Sees und des Himmels scheidet. Der Blick wird frei auf eine atmosphärische, unendlich sich zu erstrecken scheinendende Landschaft. Hodler kennt den Blick, er weiss um den Wert der sich ihm eröffnenden Komposition, die er mit schnellen Pinselzügen umreisst, um dann die Stimmung dieses bewölkten Tages wohl in einer kurzen Sitzung und in einem Zuge einzufangen.

Jura Brüschweiler formulierte es wie folgt: „Diese Fassung des berühmten Motivs zeichnet sich nicht nur durch die befreiende Weite des in der Tiefsicht geschilderten Landschaftsbildes aus, durch die Klarheit der Bildanlage und die Grosszügigkeit der Pinselschrift – alles Eigenschaften, die ebenfalls in den früheren Fassungen zutage treten -, sondern auch durch malerische Eigenschaften, die zu jener Zeit selbst bei Hodler noch als ungewöhnlich erscheinen: die fast bis zur Abstraktion geführte Rhythmisierung der Wolkenstreifen und die Beschränkung der Farbskala auf melancholisch wirkende Grautöne, die von sanften rosa Reflexen der Abendsonne durchwirkt sind. Alles postkartenartig Hübsche, das dazu beitragen könnte, gewissen früheren Fassungen des Genfersees von Chexbres aus einen leisen anekdotischen oder vornehmlich dekorativen Anhauch zu verleihen, hat Hodler ausgemerzt. (…) Darüber dehnt sich die mit feinen blauen Falten gewellte Seefläche bis zum Horizont aus, wo sie mit den graublauen Wogen des Gewölks zusammenfliesst. Auch das parallelistische Prinzip hat Hodler hier nicht mit seiner manchmal allzu vereinfachenden Konsequenz angewandt, sondern kontrapunktisch abgewandelt, antwortet doch der elliptischen Uferlinie nicht ein gleichartiger Wolkenstreifen, sondern die fugenartig weiderholte Horizontale zergliederter Wolkenstreifen. Endlich gelangt in diesem Bild Hodlers Farbgebung, die man gewöhnlich seiner Linienführung unterzuordnen geneigt ist, zu gleichwertiger Geltung dank ausdrucksvoller harmonischer und feiner chromatischer Stufungen.“ (Jura Brüschweiler 1981)

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Verkauft für CHF 2 558 300 (inkl. Aufgeld)
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