Lot 1007* - A150 Möbel, Porzellan & Dekoration - Donnerstag, 17. September 2009, 10.00 Uhr

PRUNK-ASTROLABIUM,

in der Art des 18. Jh., Indien.
Bronze, Messing, Kupfer und fein beschnitztes Holz. Erdglobus eingefasst von mehreren Ringen mit astronomischen Angaben, Längen- und Breitengraden und Sonnenbewegung, auf 6 schuppenartig beschnitzten Säulenstützen mit Quadersockeln, sternförmig verbunden mit Querstreben auf stilisierten Tatzenfüssen, im Zentrum kleiner Himmelsglobus mit Sternbildern und kuppelförmigem, graviertem Sockel. D 110 cm, H 130 cm.

Provenienz: - Der Überlieferung nach ehemals Bestand der Sammlungen des Maharadscha von Mysore, Südindien. - Aus einer deutschen Sammlung. Imposantes Astrolabium von hoher Qualität. Tipu Sultan (1749-1799) war Herrscher des südindischen Staates Mysore und ein grosser Gegner der Briten, die Indien besetzt hielten und die er militärisch bekämpfte. Seit 1786 führte Tipu den Titel eines "Padischah" und umgab sich mit einem prunkvollen Hof, zudem vergrösserte er sein Heer auf 200 000 Mann. Die Herrschaft legitimierte er rein islamisch und duldete keine andere Religionen. Sein Ziel war ein Bund islamischer Staaten, der gegen die britische Besetzung antreten sollte. 1792 verlor Tipu Sultan die Schlacht gegen die Briten und suchte Unterstützung bei anderen indischen Mächten. 1799 schlugen die Briten Tipu Sultan in zwei Schlachten und setzten seiner Herrschaft ein Ende. Das Astrolabium wurde im 8. und 9. Jahrhundert in die islamische Welt durch die Übersetzung griechischer Texte eingeführt. Arabische Quellen aus dem 9. Jahrhundert zeugen von der Vertrautheit in den arabischen Ländern mit diesen Instrumenten. Die ältesten Astrolabien sind arabischen Ursprungs und lassen sich in das 10. Jahrhundert zurückführen. Das Astrolabium wurde zu einem unabkömmlichen Mittel in der islamischen Welt und diente dazu, Zeit und Datum zu bestimmen. Es wurde auch als Hilfsmittel für religiöse Zwecke, wie das Einhalten der Gebetszeiten und das Ausrichten nach Mekka, eingesetzt. Astrologie war ein wesentlicher Bestandteil früher islamischer Kultur. Persische Astrolaben wurden immer komplexer und entwickelten sich zu genialen Kunstgegenständen. Es gibt einige interessante stilistische Unterschiede zwischen Astrolaben aus der östlich Islamischen Welt, Nordafrika und dem maurischen Spanien. Auch in Indien hatte der Gebrauch dieser Messgeräte lange Tradition. Der jainistische Inder Mahenda Suri hatte bereits 1370 das erste indische Traktat über Astrolaben verfasst. In ihrer künstlerischen Form sind die indischen Astrolaben einfacher gestaltet und wurden im allgemeinen aus Messing oder Kupfer geschaffen, selten auch vergoldet. Sie waren den zeitgenössischen europäischen Instrumenten aus dem 17. Jahrhundert in der technischen Ausführung um einiges voraus.

CHF 20 000 / 30 000

€ 18 690 / 28 040

Verkauft für CHF 26 000 (inkl. Aufgeld)
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