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WIEMKEN, WALTER KURT

* 14.9.1907 Basel, † 30.12.1940 / 23.1.1941 Balerna

Vitazeile Maler und Zeichner. Grafik und Wandbild. Am 23.1.1941 in der Breggia-Schlucht tot aufgefunden Tätigkeitsbereiche Malerei, Zeichnung, Grafik Lexikonartikel Wiemkens Eltern stammen aus Deutschland und werden 1898 in Basel eingebürgert. Als jüngstes von vier Kindern wächst Walter Kurt im Haus, in dem der Vater einen Lithografiebetrieb führt, auf. Im Alter von vier Monaten erkrankt Wiemken an Kinderlähmung und bleibt behindert. Er wohnt zeitlebens im Elternhaus und hat dort auch sein Atelier.

1923–27 besucht Wiemken die Gewerbeschule Basel. Angeregt durch den Unterricht von Fritz Baumann, Gründer der Künstlergruppe Das neue Leben, entwirft er expressionistisch anmutende Illustrationen. Annäherung an die aus Schülern Ernst Ludwig Kirchners bestehende Gruppe Rot-Blau. Im Sommer 1927 absolviert Wiemken ein Semester an der Staatlichen Hochschule für angewandte Kunst in München bei Fritz Hellmut Ehmcke und Richard Klein. Wichtiger für die künstlerische Entwicklung Wiemkens wird ein Aufenthalt in Paris im Herbst 1927 zusammen mit seinem Freund Otto Abt; die dort entstehenden düsteren Strassenbilder markieren den Abschluss seiner expressionistischen Phase. In den folgenden zwei Jahren Sommeraufenthalte in Collioure an der französischen Mittelmeerküste und im Tessin, wo Wiemken Landschaften malt, in denen seine ungewöhnliche Sensibilität für tonige Farbabstufungen zur Entfaltung kommt. Ab 1928 regelmässige Teilnahme an der Jahresausstellung der Basler Künstler in der Kunsthalle Basel sowie an Wettbewerben für Wandbilder, die vom Staatlichen Kunstkredit Basel ausgeschrieben werden. 1930 Aufenthalt, zusammen mit Walter Bodmer, in Auvers-sur-Oise. Auf derselben Reise wird Wiemken vom Unfalltod eines kleinen Mädchens in Villeneuve-St-Georges stark aufgewühlt; das Festhalten im Bild der Prozession (1930) sowie in der Figur eines Metzgers bedeutet für ihn den Versuch, dieses Erlebnis zu verarbeiten. 1930–31 konzentriert sich der Maler auf die Darstellung von Einzelpersonen wie Der Mörder oder Der Pfarrer sowie Bordellszenen. Mit Querschnitt durch ein Haus (1931, Öffentliche Kunstsammlung Basel, Kunstmuseum) gelingt es ihm erstmals, das Nebeneinander gegensätzlicher Lebensweisen – eines seiner Grundmotive – zu veranschaulichen. Zwischen 1930 und 1934 Beschäftigung mit dem Werk George Grosz’, dem französischen Surrealismus sowie mit Pablo Picasso. Ikonografisch wendet er sich nun vermehrt sozial benachteiligten Gesellschaftsgruppen zu; die Darstellungsweise drängt ins Fantastische, Groteske. Die Sommer verbringt Wiemken oft in Collioure. 1933 Gründung der Künstlergruppe 33 zusammen mit seinen beiden engsten Freunden Abt und Bodmer. Wiemken, dessen Kindheit vom Ersten Weltkrieg überschattet war, leidet in den 1930er-Jahren zunehmend an Kriegsängsten. 1936 entstehen unter dem Eindruck des Spanischen Bürgerkrieges zahlreiche Bilder, die Figur Don Quichottes wird zum Zeichen für Spanien. Auftrag für ein grosses Wandbild zum Thema Zirkus im Gottfried Keller-Schulhaus, Basel. 1936–37, angeregt durch Walter Bodmer, Beschäftigung mit dem Konstruktivismus: Unter dem Titel Konstruktionen entstehen die einzigen ungegenständlichen Werke Wiemkens. 1937 Rückkehr zur Kriegsthematik, unter anderem mit dem Bild Guernica. Reise nach Ostende; er malt eine Reihe kleiner Strandlandschaften. 1938 wendet sich Wiemken – unter dem Einfluss von James Ensor – dem Motiv der Maske zu, das in die Werkgruppe Umarmung von Engel und Teufel mündet. Schwarze Fahnen von 1939 (Öffentliche Kunstsammlung Basel, Kunstmuseum) sowie eine Serie kleinerer Bilder, die um das Thema Zusammentreffen (Faun, Tod und Friedensengel) kreisen, müssen im Zusammenhang mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges gesehen werden; gleichzeitig muten sie jedoch als Vorboten seines eigenen Todes an. Im letzten Lebensjahr vollendet Wiemken das Wandbild Die drei Kleinbasler Ehrenzeichen im Treppenhaus des Polizeigebäudes Spiegelhof in Basel. Am 28. Dezember 1940 kehrt er in Castel San Pietro im Tessin von einem Spaziergang nicht zurück; Wochen später wird er tot aufgefunden. Die Themen Walter Kurt Wiemkens zeigen eine Nähe zu den Dramen von August Strindberg und den gesellschaftskritischen Blättern von George Grosz. Das Bemühen, Gegensätze wie arm und reich, Leben und Tod, Krieg und Frieden, Teufel und Engel zu veranschaulichen, zieht sich durch sein ganzes Werk. Während der Querschnitt durch ein Haus von 1931 noch ein bilderbogenhaftes Nebeneinander kontrastierender Motive aufzeigt, bedient sich Wiemken in späteren Bildern der surrealistischen Montagetechnik als Gestaltungsmethode und entwirft kompliziertere Konstruktionen, erstmals sichtbar 1934 in Alles in Allem (Öffentliche Kunstsammlung Basel, Kunstmuseum) sowie in Das Rätsel der Sphinx (Kunstverein Basel). Als dominierende Bildfigur um die Mitte der 1930er-Jahre kann die Sphinx als ein Zeichen für die Rätsel und Widersprüchlichkeiten des Lebens gesehen werden. In Das Leben (1935, Öffentliche Kunstsammlung Basel, Kunstmuseum) trägt die Sphinx – den Tod ins Leben einbeziehend – Böcklins Toteninsel im Leib, ein Bildzitat, das die Verehrung ausdrückt, welche Wiemken Arnold Böcklin entgegenbringt. In den folgenden Jahren gelingt es Wiemken, existenzielle Thematik und künstlerische Konstruktion spannungsreich zusammenzuführen. In dem einheitlich gestalteten Bildraum Am Rande des Abgrunds (1936, Aargauer Kunsthaus Aarau) vollführen Akrobaten ihre Künste am Seil hoch über einer Höllenvision. Die Welt der Gaukler als Symbol für den Kreislauf des Lebens stellt Wiemken in seinem 1936–37 realisierten Wandbild Zirkus dar. Mit dem Selbstbildnis als Clown (1938) thematisiert er die Figur des Spassmachers und gesellschaftlichen Aussenseiters als Ebenbild des Künstlers. Mit Don Quichotte in der Hölle (1936, Kunsthaus Zürich) und Der Krieg (1937) erreichen Wiemkens Kriegsvisionen, die ihn bis an sein Lebensende beschäftigen, ihren Höhepunkt. Die gleichzeitigen Experimente mit ungegenständlichen Formen bewirken Vereinfachungen in seiner Bildsprache. Es gelingt ihm nun, die oft überbordenden Bildinhalte zu zügeln. In seinen letzten Arbeiten fügt sich das Figurative in von zusammenfassenden Liniengefügen geraffte Landschaften ein, die zu Trägern schicksalhafter Vorstellungen werden. In den drei Fassungen des Gewächshauses überlagern sich Innen- und Aussenwelt in einer transparenten Bildkomposition. Im Kreislauf (1940, Öffentliche Kunstsammlung Basel, Kunstmuseum) symbolisiert eine kahle, ovalförmig angelegte, von starken Bewegungen durchsetzte Landschaft das menschliche Dasein. Wiemkens früher Tod hat die Rezeption und die kunstgeschichtliche Positionierung seines Werkes wesentlich beeinflusst. Wie Stephan E. Hauser im Katalog zur monografischen Ausstellung im Kunsthaus Zug und im Museo d’arte di Mendrisio (2002 ̶ 03) ausführt, hat eine vertiefte Auseinandersetzung mit Wiemkens Werk kaum stattgefunden und ist seit den 1980er-Jahren fast vollständig zum Erliegen gekommen. Die Kategorisierung als «Aussenseiter» habe die Rezeption in eine Sackgasse geführt. Wie Hauser überzeugend ausführt, muss Wiemkens künstlerisches Schaffen vielmehr als wichtiger Beitrag in der «medialen Selbstkritik der Moderne» gesehen werden. Wiemkens Bilder seien «Bilder über das Bildermachen»; nicht die eigentliche Motive, sondern bildnerische Gegensätze und Zusammenhänge hätten im Vordergrund seiner künstlerischen Auseinandersetzung gestanden. Indem er diese Auseinandersetzung in figurativen Bildern führte, habe er gesellschaftliche und bildimmanente Fragestellungen zusammengeführt und sich damit gleichsam als «modernismuskritischer Modernist» positioniert. Werke: Aargauer Kunsthaus Aarau; Öffentliche Kunstsammlung Basel, Kunstmuseum; Bellinzona, Museo Villa Cedri; Bündner Kunstmuseum Chur; Kunstmuseum St. Gallen; Kunsthaus Zürich; Kunsthaus Zug.


SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz

Rudolf Hanhart, 1998, aktualisiert 2012 https://www.sikart.ch/kuenstlerinnen.aspx?id=4000363


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Lot 3079 - A181 Schweizer Kunst - Freitag 30 Juni 2017, 16.00 Uhr

WALTER KURT WIEMKEN

(Basel 1907–1940 Castello San Pietro)
Paris. 1927.
Öl auf Leinwand auf Hartfaserplatte.
80 x 64 cm.

CHF 8 000 / 12 000 | (€ 8 250 / 12 370)

Verkauft für CHF 8 750 (inkl. Aufgeld)
Angaben ohne Gewähr

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Lot 3115* - Z31 Schweizer Kunst - Freitag 09 Dezember 2011, 14.30 Uhr

WALTER KURT WIEMKEN

(Basel 1907–1940 Castello San Pietro)
Parklandschaft in Paris. Um 1928.
Öl auf Leinwand.
41,5 x 27.5 cm.

CHF 8 000 / 12 000 | (€ 8 250 / 12 370)

Verkauft für CHF 7 800 (inkl. Aufgeld)
Angaben ohne Gewähr

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Lot 3114 - Z31 Schweizer Kunst - Freitag 09 Dezember 2011, 14.30 Uhr

WALTER KURT WIEMKEN

(Basel 1907–1940 Castello San Pietro)
Pariser Vorort im Frühling. Um 1928.
Öl auf Leinwand.
Unten links Reste der Signatur.
46 x 55 cm.

CHF 4 500 / 6 500 | (€ 4 640 / 6 700)

Verkauft für CHF 7 200 (inkl. Aufgeld)
Angaben ohne Gewähr

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Lot 3157* - Z32 Schweizer Kunst - Freitag 22 Juni 2012, 14.00 Uhr

WIEMKEN, WALTER KURT

(Basel 1907–1940 Castello San Pietro)
Strasse in Paris. Um 1926.
Öl auf Papier.
25,5 x 33,5 cm.

CHF 2 000 / 3 000 | (€ 2 060 / 3 090)

Verkauft für CHF 2 400 (inkl. Aufgeld)
Angaben ohne Gewähr

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